14 Sep. Lau- Bader und andere Prominente
Kultur- und Heimatverein Sulz in Trier: tolle Stadt!
Die Porta Nigra war nicht immer schwarz und Konstantin keineswegs der Heilige, für den die orthodoxe Kirche ihn hält. Aber über den hellen Sandstein hat sich der Staub der Jahrtausende genauso gelegt wie über die Morde des „Beschützers der Christenheit“ an Frau und Sohn. Übrig geblieben sind Denkmale von imposanter Größe. Und davon gibt’s in Trier noch viele andere zu bestaunen.
Die diesjährige Studienreise führte den Kultur- und Heimatverein damit in eine Stadt, die über lange Zeit für verschiedene Epochen ein Zentrum, auch ein Epizentrum war. Bis die Völkerwanderung auch Trier verschluckte, war es das zweite Rom, wenigstens im Westen des Reiches – heute kann der staunende Besucher mittels VR-Brille sich in die Heiß-, Lau- und Kaltbäder der Thermen begeben und sich in der Basilika unter die Bittsteller in der Audienz des Kaisers mischen. Und einen Hubschrauberflug über Augusta Treverensis genießen. Und … Bielefeld haben ja viele schon gesehen, aber seine Existenz wird dennoch bezweifelt. Den Trierer Circus, die Rennbahn, hat noch niemand gesehen, aber dennoch wird er auf allen Plänen und Reliefs aufgeführt. Und das nur, weil auf einem Wandmosaik ein Pferderennfahrer erscheint. Rennfahrer im 3. Jh. waren die Maradonnas und Harry Kanes ihrer Zeit, buchstäblich die ganze Stadtbevölkerung teilte sich die Mitgliedschaft in ihren Fanclubs, die höchsten Würdenträger, selbst Kaiser, waren „Grüne“ oder „Weiße“. Oder Blaue, Rote … Auseinandersetzungen arteten nicht selten in regelrechte Schlachten aus.
Auch das christliche Mittelalter, von dem so wunderbare Zeugnisse erhalten sind, hatte für die Menschen in Trier im Wesentlichen nur kurze Friedenszeiten zwischen Kriegen im Angebot. Die oft noch von Seuchen und Ernteausfall heimgesucht wurden, wofür man immer wieder mal die Juden verantwortlich machte, also beraubte und erschlug, wenn sie nicht ohnehin vertrieben waren. Dann mussten die Hexen herhalten, mehr als 4000 an der Zahl, bis Friedrich von Spee begann, dem Hexenwahnsinn ein Ende zu bereiten. Auch in der Neuzeit drangen immer wieder Feinde ein oder zogen Verbündete durch die Stadt, wobei die „Freunde“ sich meist nicht besser benahmen. Wenn die Soldaten abgezogen waren, blieben den Trierern leere Kassen und Speicher, Ruinen, Pest und „Bastarde“. Und jahrhundertelang ungetilgte Schulden.
Buchstäblich durchgestrichen, nicht getilgt, ist übrigens auch der Name des Bischofs, der seine pädophilen Priester nicht zur Verantwortung ziehen wollte; heute erläutert eine Tafel, warum der Platz neben dem Dom jetzt Platz der Menschenrechte heißt und an das Schicksal der Sinti und Roma erinnert. Die Gruppe nahm auch wohlwollend zur Kenntnis, wie die Katholische Kirche heutzutage sich die Verehrung des sog. Heiligen Rockes in eben diesem Dom wünscht: nicht als wundertätige Reliquie, an deren Echtheit ohnehin Zweifel angebracht sind, sondern als einen Wegweiser zu Glaubensinhalten. Ob diese differenzierte Haltung, auch gegenüber den von der Kaisermutter Helena aus dem Heiligen Land mitgebrachten „Nägel vom Kreuz“ und anderen Devotionalien, vom einfachen Kirchenvolk geteilt wird?
Der junge Karl Marx, etwas überraschend, schrieb seine schier unleserliche Abiturarbeit im Fach Religion (!) noch als Mitglied des einfachen Kirchenvolkes. Versuchte sich als Dichter und Dramatiker, bevor er sich, angesichts des himmelschreienden Elends der Moselwinzer, die sich im 19. Jahrhundert ungefragt im preußischen Staat wiederfanden, der Nationalökonomie und der Politik zuwandte. Mit Folgen für die Welt, wie jedermann weiß.
Wir begleiteten den Witwer Albinius Asper auf der Suche nach seiner toten Frau durch die Unterwelt und den Deutschherrenhofer durch seine Weinberge und zur Weinprobe. Und wurden uns spätestens mit diesen beiden Erfahrungen der Kostbarkeit des Lebens einmal mehr bewusst.
